Wer braucht wie viel Sexismus?

Anscheinend gibt es Menschen, die fühlen sich mit den großen, gängigen Geschlechterschubladen sehr wohl. Freuen sich, wenn sie das Gefühl haben, eine „richtige“ Frau oder ein „richtiger“ Mann sind. Ich frag mich, wie viele das sind.

Und ob sie keine Anteile haben, die dem nicht entsprechen, oder ob ihnen das egal ist, und sie das Kriterium nur benutzen wenn es ihnen in den Kram passt.

Mir passt es sehr oft nicht in den Kram.

Und vielen anderen auch.

Und wer hat jetzt recht? Das Recht diskriminierungsfrei zu leben?
Der Annahme entsprechend, dass noch sehr viel Sexismus abgeschafft werden kann, bis „richtigen“ Männern und Frauen was fehlt, entspricht auch die Antwort von Manuel Ricardo Garcia, einem der Organisatoren der Transtagung München, im u.g. Interview:

http://www.csdmuenchen.de/archiv/csd_2014_web_statisch/web/warum-trans-auch-fuer-cis-gut-is.html

PrideGuide > Wäre es dir lieber, die Geschlechterrollen abzuschaffen?

Manuel Ricardo Garcia > Mir persönlich ist das zu radikal. Ich muss keine Geschlechterrollen abschaffen. Aber ich muss sie umgekehrt auch nicht einfordern. Mein Lieblingssatz ist hier immer: „Recht auf Selbstdefinition.“ Es gibt Trans*-Menschen, die wollen sehr wohl in die Schublade. Also ich fühle mich in der „Männer-Schublade“ wohl, hatte jetzt aber auch kein Problem, wenn diese Rollen aufgelöst wurden. Man muss ja niemandem etwas nehmen, aber es eben auch nicht zelebrieren. Ich denke aber, dass ein Beenden von Geschlechter-Erwartungen sehr gut wäre. Und zwar für alle Menschen! Selbst der Cis-Mann von nebenan leidet doch oft darunter, dass er die gesellschaftlichen Erwartungen, die an Männlichkeit gestellt werden, nicht ausreichend erfüllen kann. Dasselbe gilt natürlich auch für die Frauen. Die Botschaft, die hinter trans* steht, ist ganz schlicht die: „Sei doch einfach mal du! Du bist nämlich wunderbar, genauso wie du bist – und das gilt für alle Menschen.